Tiere in Portugal

Ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft: die Tierwelt Portugals ist extrem vielseitig. Neben vielen bekannten Tierarten, findet man in Portugal auch einige seltene Spezies, die nur hier auf der Iberischen Halbinsel oder auf den portugiesischen Inseln vorkommen.
Tiere Portugal
Portugals berühmte Lusitano-Pferde ( miquelito / Shutterstock.com )

Die portugiesische Tierwelt

Die Zugehörigkeit zur Iberischen Halbinsel und deren geografische Lage zwischen Atlantik und Mittelmeer sowie Afrika und Eurasien bestimmt die imposante Vielfalt der Tierwelt Portugals. Aufgrund der zahlreichen Landschaftsformen und Klimabedingungen existiert eine große Anzahl unterschiedlicher Biotope und Habitate für viele Tierarten.

Besonders facettenreich präsentiert sich die regionale Fauna in den landesweit verteilten National- und Naturparks sowie Naturschutz- und Biosphärengebieten. Durch die vergleichsweise dünne Besiedlung Portugals vor allem im höher gelegenen Binnenland konnten sich auch außerhalb der Schutzgebiete manche Spezies erhalten, die anderenorts in Europa schon lange nicht mehr in freier Wildbahn leben.

Die gute Erreichbarkeit und die kurzen Wege machen das westlichste Land des Kontinents speziell für Naturfreunde und Urlauber, die einen Badeurlaub mit schönen Ausflügen kombinieren möchten, zum perfekt geeigneten Reiseziel.

    Säugetiere: Raubtiere in freier Wildbahn

    Zu den am häufigsten vertretenen einheimischen Säugetieren in Portugal zählen in erster Linie der Rotfuchs, der Europäische Dachs, der Pardelluchs und der Iberische Wolf.

    Ein bedeutendes nationales Schutzgebiet für den stark vom Aussterben bedrohten Luchs ist etwa das gut 16.000 Hektar große Naturschutzgebiet Reserva Natural Serra da Malcata bei Penamacor und Sabugal in der Region Beira Interior unweit der Grenze zu Spanien. Im 70.000 Hektar großen Parque Natural do Vale do Guadiana in der Provinz Baixo Alentejo sowie in der Serra de São Mamede im Distrikt Portalegre gibt es auch noch vereinzelte Exemplare.

    Der Iberische Wolf ist heutzutage noch im Norden des Landes beheimatet. Hauptsächlich in der Serra da Coroa bei Vinhais und Bragança im Distrikt Bragança in der Provinz Trás-os-Montes e Alto Douro werden immer wieder kleinere Rudel gesichtet.

    Bemerkenswert sind die beiden fast ausschließlich hier vorkommenden Raubtierarten. Zum einen der Ichneumon, als einzige europäische Mangustenart, und zum anderen die Ginsterkatze. Die Ginsterkatze hat deshalb eine besondere Stellung im Reich der Tiere, weil sie schon im antiken Land der Pharaos, dem heutigen Ägypten, als katzenartige Gottheit verehrt wurde. Als einzige heutige Art der Ginsterkatze ist die so genannte Kleinfleck-Ginsterkatze außer in Portugal nur noch in Frankreich zu finden.

    Typisch für die Fauna Portugals ist auch der Iberiensteinbock. Eng verwandt mit dem bereist ausgestorbenen Portugiesischen Steinbock lebt er heute noch vereinzelt im unzugänglichen und gebirgigen Gebiet des gut 700 km² großen Nationalparks Peneda-Gerês in Nordportugal. Der einzige Nationalpark des Landes ist seit 2009 auch ein UNESCO-Biosphärenreservat und beherbergt viele weitere für Portugal charakteristische Säugetiere wie Wildkatzen, Wiesel, Wildschweine, Marder und sogar noch einige wenige Braunbären.

    Weltweit bekannt und geschätzt werden die Pferde der portugiesischen Edelrasse Lusitano. Die prachtvollsten Exemplare werden teilweise für mehrere Zehntausend Euro verkauft. Portugal ist sehr stolz auf ihre Lusitano-Pferde. Früher wurden sie vor allem für den Stierkampf eingesetzt, heute werden sie mehr und mehr nach den Vorgaben des Dressurreitens gezüchtet.

    Reptilien: Echsen, Schlangen & Schildkröten

    Auf dem portugiesischen Festland wie auch auf Madeira und den Azoren leben knapp drei Dutzend Reptilienarten aus elf biologischen Familien. Hervorzuheben sind vor allem die Schuppenkriechtiere, die Schlangen und die Schildkröten.

    Recht typisch für die zumeist heiße und trockene Algarve im Süden des Landes sind etwa Chamäleons. Diese findet man jedoch eher in den weniger stark besiedelten und touristisch geprägten Gebieten im Binnenland. Dort sind auch häufig die charakteristisch bunt gefärbten Geckos zu sehen, weit verbreitet sind der Europäische Halbfinger oder Türkische Halbfingergecko und der Mauergecko.

    Die Smaragdeidechse gehört mit einer Gesamtkörperlänge von ca. 50 cm zu einer der vier größten Eidechsenarten überhaupt, der auffällig lange Schwanz der Smaragdeidechse macht rund zwei Drittel der Gesamtlänge des Körpers aus. Der Schwanz der Smaragdeidechse zeichnet sich durch eine besondere Eigenschaft aus: die Eidechse kann sich bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen.

    Eine endemische Art von der unbewohnten Inselgruppe Ilhas Selvagens in der Region Madeira ist die Geckoart Osga-das-selvagens.

    Die Blindschleiche als Echsenart aus der Familie der Schleichen lebt hingegen hauptsächlich in den dichten Wäldern im Norden. Die Habitate der Doppelschleichen verteilen sich über das gesamte Staatsterritorium. Die zahlreich vertretenen Echten Eidechsen stammen aus den Familien der Perleidechsen, Iberischen Smaragdeidechsen und Gebirgseidechsen, Bocages und Spanischen Mauereidechsen. Nur auf Madeira lebt die gleichnamige Madeira-Eidechse die auch oft als Madeira-Mauereidechse bezeichnet wird.

    Unter den Schlangenarten stellen Nattern die größte Familie, in den bergigen Gebieten des Nordwestens finden sich vereinzelt auch Stülpnasenottern und Nordiberische Kreuzottern. An und vor den Küsten leben wiederum Neuwelt-Sumpfschildkröten, Maurische Bachschildkröten sowie Meeresschildkröten und Lederschildkröten.

    Gibt es gefährliche oder giftige Tiere in Portugal?

    Neben den bereits erwähnten Stülpnasenottern und Nordiberischen Kreuzottern sowie den weiter oben ebenfalls genannten Spinnenarten leben in Portugal einige weitere potenziell gefährliche und/oder giftige Tiere.

    Im Alentejo sowie an der Algarve gibt es etwa manche Hundertfüßer, deren Gift jedoch in den seltensten Fällen und nur bei bereits erkrankten Menschen Todesfälle nach sich ziehen kann.

    Im Meer vor der südlichen Küste finden sich auch Petermännchen aus der Familie der Barsche, deren Stiche bei allergisch veranlagten Badegästen Schwellungen, Schwindel und Kopfschmerzen auslösen können. Gleiches gilt für Rochen und Quallen wie im Speziellen die Portugiesische Galeere sowie Seeigel.

    Die europäische schwarze Witwe (auch falsche schwarze Witwe genannt) ist ein recht gefährliches Tier Ihr Biss ist sehr schmerzhaft und kann selbst für gesunde Erwachsene gefährliche, wenngleich nicht unbedingt tödliche Folgen werden. Festes Schuhwerk und Fernhalten von der europäischen schwarzen Witwe ist daher eine wichtige Grundregel beim Bewegen in trockenen Steppengebieten.

    Der lokal weit verbreitete Prozessionsspinner ist ebenfalls in seiner Gefährlichkeit für den Menschen und eventuelle tierische Begleiter wie Hunde nicht zu verachten. Das Tier kann seine Haare bis zu 5 Meter Entfernung auf Angreifer abschießen. Besonders für Hundebesitzer kann das tragische Folgen haben, denn für den Hund endet solch ein Angriff nicht selten mit dem Tod. Bei Menschen können die Haare des Prozessionsspinners Asthmaanfälle bis hin zu lebensbedrohlichen Schockzuständen auslösen.

    Die im Norden Portugals anzutreffende Asiatische Wespe ist ein Insekt, das dem Menschen ebenfalls gefährlich werden kann. Das etwa hornissengroße Tier führt seine Angriffe fast immer im Schwarm durch, was für das Opfer sehr unangenehm werden kann, eine Gegenwehr durch einen Menschen ist dann kaum möglich.

    Fische: Artenvielfalt im Wasser

    In Portugal leben weit über 100 Süßwasserfischarten. Besonders artenreich sind etwa die Gewässer im über 26.000 Hektar großen Naturpark und UNESCO-Biosphärenreservat Parque Natural do Tejo Internacional im Distrikt Castelo Branco in der Region Centro. Dort leben zum Beispiel zahlreiche Aale, Barben, Neunaugen, Knochenfische, Karpfen und Welse.

    Viele der endemischen Arten in den kleineren Seen der dicht bevölkerten Subregion Zona Oeste nördlich der Hauptstadt Lissabon sind wegen Trockenheit und Umweltverschmutzung leider stark vom Aussterben bedroht.

    Das Meer vor Portugals Küsten ist ausgesprochen artenreich. Insbesondere Heringe, Sardinen, Thunfische und Makrelen werden in großen Mengen gefangen und für den menschlichen Verzehr zubereitet.

    Der Atlantik mit der Küste Portugals im Süden und Westen des Landes ist einer der besten Orte in Europa, um Seefischerei zu betreiben. Der Wolfsbarsch gilt als sehr gut schmeckender und begehrter Fisch. Er ist in der Nähe der portugiesischen Küste sowie in Flussmündungen zu finden. Er ist sehr schnell und agil in seinen Revier unterwegs.

    Ein Wolfsbarsch muss, um gefangen werden zu dürfen, mindestens 36 cm lang sein. Doch ein Wolfsbarsch kann auch enorme Ausmaße annehmen: 11 kg Gewicht und 1 m Länge sind für das Tier keine Seltenheit.

    Die Geißbrasse ist dagegen eher scheu und nachtaktiv. Sie lebt vorwiegend in unterirdischen Felsspalten in bis zu 50 m Tiefe. Der wohlschmeckende Fisch muss zum Fangen mindestens 27 cm groß sein, er kann bis 35 cm groß werden und ein Gewicht von bis zu 3,5 kg erreichen.

    In den Gewässern rund um Madeira lebt der Schwarze Degenfisch, der trotz seiner furchteinflößenden Gestalt, ein beliebter Speisefisch auf der Insel ist.

    Vögel: Paradies für Birdwatcher

    Mit etwa 600 verschiedenen Arten ist die Vielseitigkeit der Vogelwelt in Portugal deutlich höher als in den meisten anderen Ländern Europas und der Welt. Neben den zahlreichen einheimischen Arten überwintern hier auch viele Zugvögel aus Regionen im mittleren und nördlichen Europa.

    Besonders die Algarve als geografisches »Sprungbrett« nach Afrika ist extrem artenreich. Hier lassen sich zum Beispiel gut Tauben, Reiher, Enten, Ibisse, Meisen und Falken in großer Stückzahl beobachten.

    Als hervorragend für Hobbyornithologen im Urlaub geeignetes Gebiet gilt auch der 56.000 Hektar große Naturpark Parque Natural da Serra de São Mamede auf dem Gebiet der Gemeinden Portalegre, Castelo de Vide, Marvão und Arronches im Distrikt Portalegre im Nordosten der Region Alentejo. Von den 150 dort anzutreffenden Arten wie etwa dem Habichtsadler, Gänsegeier und Uhu nisten ca. 40 vor Ort.

    Spinnen: Eher gegessen als gefürchtet

    Obwohl es im Distrikt Castelo Branco eine Gemeinde mit dem Namen Aranhas (Spinnen) gibt und auch die Krabbenart der Meerspinnen zu den beliebten Spezialitäten in Portugal gehört, ist das Land keine ausgesprochene Hochburg der mehrbeinigen Gliederfüßer.

    Häufig zu sehen sind in erster Linie die auch in Deutschland vielerorts und weitverbreitet lebenden Webspinnen. Ausgesprochen selten sieht man die Südliche Schwarze Witwe in trockenen Gebieten zwischen Gestrüpp und Steinen. In dünner besiedelten Gebieten im Alentejo und in der Algarve leben auch Echte Webspinnen, Vogelspinnen und Skorpione.

    Insekten: Was zwischen Porto und Faro kriecht, krabbelt, fliegt und sticht

    Die ca. 38.000 Insektenarten auf der Iberischen Halbinsel sind sowohl in Spanien als auch in Portugal im etwa gleichen Maß vertreten. Im weltweiten Vergleich eher stark verbreitet sind Wanzen, Gleichflügler wie Zikaden und Pflanzenläuse, Mücken, Schmetterlinge sowie Wespen, Bienen und Hornissen. Auch zahlreiche Käferarten leben speziell in bewaldeten Gegenden.

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