Geschichte von Portugal

Geschichte Portugal
Die Ankunft Vasco da Gamas in Indien 1497 ( Gemeinfrei )
Sieht man sich die Fläche von Portugal an, dann mag man über so manche Errungenschaften des Landes staunen: mit nur 92.000 km2 – mit einer Fläche ca. so groß wie Österreich oder Irland – schaffte es Portugal eine der wichtigsten Seemächte der Welt zu werden. Davon zeugten Kolonien, die über den ganzen Globus verteilt waren: Goa, Macau, Brasilien, Mosambik etc. Wie es dann aber zum rasanten Rückgang des portugiesischen Einflusses kam, erfährst du in nachfolgendem Artikel.

Mehrere Kriege um das portugiesische Territorium

Zu Beginn der portugiesischen Geschichte standen vor allem die Territorialkriege im Vordergrund. Verschiedene Völker wollten das Gebiet für sich beanspruchen. Zuerst waren es die Iberer, die ca. 2000 vor Christus das Territorium zum ersten Mal betraten. Danach kamen die Kelten und Kathargo. Schließlich waren es dann die Römer, die neben weiten Teilen Europas auch Portugal für sich erobern konnten.

Es folgten in dieser Zeit aber immer wieder Aufstände von Minderheiten, die Teile des Gebietes zurückgewinnen wollten. Dazu kamen noch Westgoten und Germanen, die kurze Zeit die Oberhand hatten.

Die nächste wichtige Etappe in der Geschichte war die Ära der Araber. Es waren die Mauren, die Portugal über die Straße von Gibraltar eroberten. Das größtenteils christliche Portugal befand sich plötzlich unter muslimischer Herrschaft. Diese Periode dauerte bis ins 12. Jahrhundert an. Am Ende stand die Begründung des ersten Königreiches von König Afonso I. 1143 wurde das Land schließlich unabhängig.

Das letzte eroberte Gebiet war die Algarve. Damit hatte Portugal bereits fast die gleiche Form wie das heutige Staatsgebiet.

1255 wurde Lissabon zur Hauptstadt ernannt.

Auf Entdeckungstour als reichste Seefahrermacht

Portugal verfügt heute über einen großen Anteil an Küste. Die komplette westliche Landesgrenze liegt am Meer und auch im Norden und Süden sind weitere Küstenabschnitte zu finden. Diese geographische Lage trug dazu bei, dass das Land, das flächenmäßig eigentlich sehr klein war, zu einer der wichtigsten Seefahrermächte der Welt wurde.

Die ersten Entdeckungsfahrten starteten im 14. Jahrhundert. Teile Marokkos waren das erste Gebiet, das außerhalb Portugals erobert wurde. Die Erkundungen gingen aber noch viel weiter. Heinrich der Seefahrer schaffte es die erfahrensten Eroberer und Wissenschaftler zu versammeln.

Das Wissen der Portugiesen in Sachen Schiffbau und Seefahrt war vielen anderen Seefahrernationen weil überlegen. Das brachte dem Land die Vorreiterrolle ein. Unter anderem wurde der Handel eines der wichtigsten Wirtschaftszweige und Portugal war so reich wie noch nie zuvor.

Die Seefahrermacht hatte auch politisch und kulturell mit das Sagen in Europa. Eines der geschichtsträchtigsten Ereignisse war Vasco de Gamas Reise bis nach Indien. Damit wurde das erste Mal ein Seeweg entdeckt, der bis nach Ostasien vordrang. Teile Asiens waren aber nicht die einzigen Kolonien, die die Portugiesen eroberten. Sie schafften es bis nach Südamerika und Afrika und hatten ihr Staatsgebiet somit auf der ganze Welt verteilt.

Portugal verliert an Einfluss

Im 15. und 16. Jahrhundert, während portugiesische Seefahrer viele Teile der Welt entdecken, wurde das Land selbst weiterhin von der Königsfamilie regiert. Als es 1580 keinen männlichen Nachfolger für den Thron gab, fiel Portugal unter die Herrschaft der spanischen Habsburger. Als Folge verlor es Teile seiner Kolonien.

Erst 60 Jahre später konnte das Land unter Mithilfe der Engländer den Thron wieder beanspruchen. Durch die Tumulte und Kriege gegen Spanien, einiger interner Konflikte und eine Auseinandersetzung gegen Napoleon am Beginn des 19. Jahrhunderts hatte das Land aber große Teile seines Reichtums verloren. Außerdem musste es zu Gunsten seiner eigenen Sicherheit Allianzen mit England und Niederlanden eingehen und verlor daher auch im Handel an Einfluss.

Im Land selbst war die Unzufriedenheit groß. Das führte nicht nur zu zahlreichen Aufständen, sondern zu der ersten Verfassung, die unter anderem Pressefreiheit mit sich brachte. Der Sohn des Königs wollte diese neue Verfassung aber nicht anerkennen. Er blieb im damaligen Kolonialgebiet Brasiliens und rief die Unabhängigkeit von Brasilien aus. Damit verlor Portugal seine zu dieser Zeit wichtigste Kolonie.

Eine 48 Jahre andauernde Militärdiktatur

Die liberalen Kräfte des Landes schafften es sogar im Jahr 1910 eine Republik auszurufen. Das Land war jedoch zwischen konservativen und sozialistischen bzw. liberalen Kräften zu tiefst gespalten. António de Oliveira Salazar nützte die Gunst der Stunde und übernahm durch einen Militärputsch 1926 die Macht. Er regierte in Folge in den nächsten 48 Jahren als Diktator das Land.

Es waren während seiner Herrschaft keine anderen Parteien und keine anderen Meinungen zugelassen und die Bürger wurden kontrolliert und Andersdenkende unterdrückt. Die Bevölkerung am Land wurde immer ärmer und die Wirtschaft Portugals immer rückständiger. Am 25. April 1974 wurde die Diktatur jedoch mit einem friedlichen Putsch, der unter dem Namen Nelkenrevolution bekannt ist, beendet und die Demokratie war geboren.

1976 fanden die ersten freien Wahlen des Landes statt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde allen portugiesischen Kolonien die Unabhängigkeit gewährt. 1999 war es mit der chinesischen Provinz Macau die letzte Kolonie, die eigenständig wurde.

1986 trat Portugal in die Europäische Gemeinschaft ein. Heute ist das Land Mitglied der Europäischen Union (EU) und führte 2002 den Euro als Währung ein.