Die Grenze zwischen Portugal und Spanien

A Raia – der Streifen zwischen zwei Ländern
A Raia (spanisch la Raya) heißt die rund 1.214 Kilometer lange Grenze zwischen Portugal und Spanien. Mit dem »Vertrag von Alcañices« am 12. September 1297 wurde die Grenze zwischen Portugal und Kastilien offiziell festgelegt.
Der zwischen dem portugiesischen König Dionysius und König Ferdinand IV. von Kastilien geschlossene Friedensvertrag beendete eine Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern.
Heute ist die Grenze zwischen Portugal und Spanien nicht nur die längste innerhalb der Europäischen Union, sondern zugleich die älteste durchgehend bestehende Grenze zwischen zwei europäischen Staaten – über weite Strecken verläuft sie noch immer fast genau dort, wo sie vor mehr als 700 Jahren gezogen wurde.
Gehört Portugal zu Spanien? Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet
Diese Fragen tauchen immer wieder auf – deshalb gleich vorweg die klaren Antworten:
- Gehört Portugal zu Spanien? Nein. Portugal ist ein eigenständiger Staat mit eigener Sprache, eigener Regierung und eigener Hauptstadt (Lissabon). Beide Länder liegen zwar gemeinsam auf der Iberischen Halbinsel, sind aber zwei vollkommen getrennte Nationen.
- Liegt Portugal in Spanien? Nein. Portugal liegt neben Spanien, im äußersten Westen der Iberischen Halbinsel und damit auch im äußersten Südwesten Europas. Im Westen und Süden grenzt es an den Atlantik.
- An welche Länder grenzt Portugal? Portugal hat nur ein einziges Nachbarland: Spanien. Alle übrigen Grenzen des Festlands sind Küste am Atlantischen Ozean.
- Warum sind Portugal und Spanien getrennt? Die kurze Antwort: weil Portugal sich seine Eigenständigkeit über Jahrhunderte erkämpft und bewahrt hat. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Warum sind Portugal und Spanien zwei Länder?
Portugal entstand bereits 1139 als eigenes Königreich, lange bevor das heutige Spanien in seiner Form existierte. Der »Vertrag von Alcañices« besiegelte 1297 dann auch den Grenzverlauf – und genau dieser frühe, klar definierte Grenzverlauf ist der Grund, warum Portugal nie dauerhaft in Kastilien aufging.
Eine Ausnahme gab es: Zwischen 1580 und 1640 waren beide Kronen unter spanischer Herrschaft in der sogenannten Iberischen Union vereint. Mit der portugiesischen Restauration von 1640 erlangte Portugal seine volle Unabhängigkeit zurück. Seitdem sind die beiden Länder durchgehend getrennt.
Dass Spanien Portugal nie dauerhaft erobert hat, liegt also weniger an unüberwindbaren Bergen oder Flüssen als an der politischen und kulturellen Eigenständigkeit, die Portugal früh ausgebildet hat – inklusive einer eigenen Sprache, die sich deutlich vom Spanischen unterscheidet.
Die Aufteilung der Welt: der Vertrag von Tordesillas
Eine besondere Episode in der gemeinsamen Geschichte ist der Vertrag von Tordesillas aus dem Jahr 1494. Darin teilten Portugal und Spanien – mit päpstlichem Segen – die noch unentdeckte Welt unter sich auf. Eine gedachte Linie westlich der Kapverdischen Inseln trennte den portugiesischen vom spanischen Einflussbereich.
Das Ergebnis prägt die Welt bis heute: Während fast ganz Lateinamerika spanischsprachig wurde, fiel das spätere Brasilien auf die portugiesische Seite der Linie – weshalb dort bis heute Portugiesisch gesprochen wird.
Der Grenzstreit von Olivença
18 Kilometer der Grenze sind bis heute nicht endgültig geklärt. Zwischen dem Rio Caia und dem Ribeira de Cuncos liegt die spanische Stadt Olivença (portugiesisch Olivença, spanisch Olivenza). Sie gehört zur Provinz Badajoz in der autonomen Gemeinschaft Extremadura.
Die Geschichte des Grenzstreits beginnt 1297 mit dem »Vertrag von Alcañices«, in dem Kastilien Olivença an Portugal abtrat.
Im Orangen-Krieg (Guerra das Laranjas) wurde die Stadt 1801 von spanischen Truppen besetzt und im Frieden von Badajoz wieder an Spanien abgetreten.
Spanien hält diesen Vertrag bis heute für gültig, während die Portugiesen den Spaniern einen Vertragsbruch vorwarfen, als sie während der Napoleonischen Kriege 1807 angegriffen wurden.
Nach Artikel 105 des Wiener Kongresses von 1815 sollten die Grenzen rund um Olivença wieder wie 1297 im Vertrag von Alcañices verlaufen.
Portugal hat bis heute allerdings nie förmlich Anspruch auf Olivença erhoben und auch niemals die spanischen Ansprüche anerkannt. So bleibt die Hoheitsfrage ungeklärt – und wird es vermutlich auch bleiben. Keine der beiden Regierungen hat ein Interesse daran, den Status quo zu ändern.
Die Grenzflüsse zwischen Portugal und Spanien
Über weite Strecken verläuft die Grenze nicht über Land, sondern entlang von Flüssen. Drei große Ströme bilden teilweise die Grenze zwischen Portugal und Spanien:
- Rio Minho – im äußersten Norden. In seinem Unterlauf trennt er auf rund 70 Kilometern beide Länder.
- Rio Douro – im Nordwesten. Auf etwa 112 Kilometern bildet er die Grenze, bevor er weiter bis nach Porto fließt und kurz darauf in den Atlantik mündet.
- Rio Guadiana – im Süden. Er trennt die Regionen Alentejo und Algarve auf portugiesischer Seite von der Extremadura und Andalusien in Spanien.
Auch der Tejo (spanisch Tajo), der längste Fluss der Iberischen Halbinsel, bildet auf einem kurzen Abschnitt im Grenzgebiet die Trennlinie, bevor er nach Portugal hinein und bei Lissabon in den Atlantik fließt. Einen Überblick über alle wichtigen Wasserläufe findest du im Artikel über die Flüsse in Portugal.
Grenzfluss Portugal–Spanien gesucht? Die Lösung fürs Kreuzworträtsel
Wenn du wegen eines Kreuzworträtsels hier gelandet bist, hier die passenden Antworten auf die Frage »spanisch-portugiesischer Grenzfluss«:
- 4 Buchstaben: MINO (gemeint ist der Minho, spanisch Miño)
- 5 Buchstaben: DOURO oder MINHO
- 8 Buchstaben: GUADIANA
Die gängigste Rätsellösung mit vier Buchstaben ist MINO. Für die Frage »spanischer Fluss zum Duero« mit vier Buchstaben kommt ebenfalls der Minho in Betracht.
Wichtige Orte an der portugiesisch-spanischen Grenze
Die größte Grenzstadt ist Badajoz auf der spanischen Seite. Direkt gegenüber liegt die portugiesische Kleinstadt Elvas, deren Festungsanlagen zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören.
Im Süden sind die beiden Küstenstädte Vila Real de Santo António (Portugal) und Ayamonte (Spanien) nur durch den Grenzfluss Guadiana getrennt. Eine Brücke verbindet die beiden Orte direkt miteinander. Weitere portugiesische Grenzstädte an der Algarve sind Castro Marim und Alcoutim.
Im Norden grenzt der Nationalpark Peneda-Gerês an Spanien. Hier werden beide Länder ein gutes Stück durch den Rio Minho getrennt. Sehenswerte Orte sind Valença und Caminha auf portugiesischer Seite sowie Salvaterra de Miño und das galizische Tui in Spanien – die häufig gesuchte »galizische Grenzstadt zu Portugal« ist meist Tui (3 Buchstaben in der Kurzform: Tuy).
Der Großteil der West-Ost-Grenze ist dünn besiedelt und führt durch ruhige, ursprüngliche Landschaft. Hier liegen mehrere Naturparks: auf portugiesischer Seite der Parque Natural do Vale do Guadiana, der Parque Natural da Serra de São Mamede, der Parque Natural do Douro Internacional und der Parque Natural de Montesinho, auf spanischer Seite der Parque Natural Tajo Internacional und der Parque Natural de Arribes del Duero.
Die Grenze überqueren: Kontrollen, Auto, Bahn
Für Reisende ist die wichtigste Nachricht: Du kannst die Grenze in der Regel passieren, ohne überhaupt zu merken, dass du in einem anderen Land bist.
Gibt es Grenzkontrollen zwischen Portugal und Spanien?
Nein – im Normalfall nicht. Beide Länder gehören zum Schengen-Raum, deshalb gibt es an der Landgrenze keine regulären Personenkontrollen. Du fährst einfach über eine Brücke oder Straße und befindest dich im Nachbarland. Oft ist das einzige Anzeichen ein Hinweisschild am Straßenrand.
Ausnahmen sind selten und zeitlich begrenzt: In besonderen Situationen – etwa bei Großveranstaltungen oder während der Corona-Pandemie 2020/2021 – wurden vorübergehend Kontrollen eingeführt. Solche Maßnahmen werden im Vorfeld offiziell angekündigt und gelten nur für einen festgelegten Zeitraum. Wenn du dir unsicher bist, lohnt sich kurz vor der Reise ein Blick auf aktuelle Meldungen.
Mit dem Auto über die Grenze
Mit dem Mietwagen ist der Grenzübertritt unkompliziert. Achte vorab nur darauf, dass dein Mietwagenvertrag Fahrten ins Nachbarland abdeckt – das ist meist der Fall, sollte aber bei der Buchung geprüft werden.
Auf beiden Seiten gibt es elektronische Mautsysteme; gerade in Portugal solltest du dich vor der Fahrt mit der Maut vertraut machen, da viele Strecken automatisch erfasst werden.
Mit der Bahn von Spanien nach Portugal
Direkte Zugverbindungen über die Grenze sind überschaubar. Eine bekannte Strecke verbindet Vigo in Galizien mit Porto. Für längere Distanzen, etwa von Madrid nach Lissabon, sind Bus oder Flug oft die schnellere und bequemere Wahl.
Wie weit ist es bis Spanien? Ein paar Entfernungen
Von der Algarve aus bist du schnell drüben: Von Vila Real de Santo António liegt das spanische Ayamonte nur eine Brücke entfernt.
Sevilla erreichst du von der Ostalgarve aus in rund zwei Stunden mit dem Auto. Wer im Norden unterwegs ist, hat von Porto aus die galizische Grenze in gut einer Stunde erreicht.
Fazit
Die Grenze zwischen Portugal und Spanien ist mehr als nur eine Linie auf der Landkarte: Sie ist eine der ältesten der Welt, und erzählt von Königen, Verträgen und einem bis heute ungelösten Streit um eine kleine Stadt.
Für dich als Reisenden ist sie heute vor allem eines – unkompliziert. Dank Schengen überquerst du sie meist, ohne anzuhalten. Wer von der Algarve einen Abstecher nach Andalusien plant oder den Norden mit Galizien verbinden will, kann das ohne großen Aufwand tun.
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