Klosterkirche Carmo in Lissabon

Convento do Carmo

Kirche Carmo Lissabon
Die Ruinen des Convento do Carmo in Lissabon ( tichr / Shutterstock.com )

Mitten in der historischen Altstadt von Lissabon, dem Viertel Chiado, in unmittelbarer Nähe des Platzes Rossio (Praça de D. Pedro IV) und mit bester Sicht auf die mittelalterliche Festungsanlage Castelo de São Jorge, liegt die imposante Ruine des zwischen 1389 und 1423 errichteten Karmeliterklosters Convento do Carmo.

Im 16. Jahrhundert beherbergte das Gebäude etwa 70 Mönche und ein Dutzend Bedienstete. Beim Ausbruch des großen Erdbebens von Lissabon 1755 mussten die damals ca. 130 Bewohner das komplett zerstörte Bauwerk verlassen, auch die Bibliothek mit gut 5.000 Büchern fiel der Katastrophe zum Opfer.

Im Jahr 1800 wurde das Dach teilweise wieder instand gesetzt, in den folgenden Jahrzehnten diente der Bau als Unterkunft für Polizei- und Armee-Einheiten.

Nutzung des Bauwerkes im Lauf der Jahrhunderte

Trotz weiter Sanierungs- und Reparaturarbeiten um 1834 wurde die Kirche nie wieder vollständig aufgebaut, im Jahr 1835 bezog schließlich ein Sägewerk vorübergehend die großzügigen Räumlichkeiten.

Nachdem dort ab 1845 erneut Soldaten stationiert waren, wurde das Gebäude samt Grundstück 1864 der Vereinigung portugiesischer Architekten überschrieben, die in einem Teilbereich ein Museum eröffneten.

1902 wurde die gesamte Fassade erstmals umfassend renoviert, von 1911 bis 1912 folgten Rekonstruktionen von Mauerwerk unter der Regie des Architekten Leonel Gaia.

Im Jahr 1955 wurde auch der Innenraum teilweise wieder in den Originalzustand versetzt, im Februar 1969 erlitt das Gebäude durch ein Erdbeben wieder einige Schäden.

Während der Nelkenrevolution im April 1974 wurden der abgesetzte Präsident Marcelo Caetano und regimetreue Soldaten in dem Kloster eingesperrt.

Ein Musterbeispiel der gotischen Baukunst

In architektonischer Hinsicht bedeutsam ist das Convento do Carmo vor allem aufgrund der puristisch gotischen Bauweise. Es lassen sich auch zum Teil auch Einflüsse vom Stil des in etwa zur selben Zeit gebauten Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitória in der portugiesischen Stadt Batalha feststellen.

Verglichen mit anderen Bauwerken der Epoche in Lissabon gilt das Convento do Carmo als das eindrucksvollste Gotteshaus in Bezug auf Architektur und Dekoration.

Trotz der zahlreichen Zerstörungen kann man bis heute die fein gearbeiteten Pflanzenmuster an der Hauptfassade bewundern. Das Rosenfenster über dem Portal ist ebenfalls noch deutlich zu erkennen.

Vom durch das Erdbeben 1755 fast vollständig zerstörten Inneren und dem Dach sind jedoch nur noch die ausgeprägten Bögen zwischen den Pfeilern übrig geblieben.

Interessante Einsichten zur Geschichte des Landes

Zahlreiche Besucher verzeichnet das in dem Sakralbau untergebrachte archäologische Museum Museu Arqueológico do Carmo, wo sich viele Artefakte aus allen Phasen der Geschichte Portugals besichtigen lassen.

Neben vielen Grabsteinen und anderen Relikten aus der Zeit der Herrschaft der Römer und Westgoten gibt es dort auch bis zu mehr als 5.000 Jahre alte Exponate aus einer Fundstätte bei der Festung von Azambuja in der Region Alentejo.

Reiseinfos
Adresse

Convento do Carmo
Largo do Carmo
1200-092 Lissabon
Portugal

38.712124, -9.140257

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