Portwein

Der Portwein ist die bekannteste portugiesische Weinspezialität. Wir geben dir einen Einblick in die lange Traditions- und Erfolgsgeschichte, erklären dir alles zur Herstellung, den Sorten und verraten dir einige der besten Adressen, den Portwein direkt vor Ort in Portugal zu probieren.
Portwein
Der Portwein ist ein wahrer Exportschlager ( Foto: Falktext )

Es lebe der Port!

Die Maria-Pia-Brücke spannt weit ihren Bogen über den Douro-Fluss zwischen Porto und Vila Nova de Gaia. Auf dem alten Bild sieht man bunte Holzboote mit dunklen Fässern. Unter der von Eiffel geplanten, riesigen Fachwerk-Konstruktion über ihnen wirken sie filigran und wie aus einer anderen Welt.

In Vila Nova lauscht eine kleine Reisegruppe den Worten einer Weinverkäuferin in der Kellerei Augusto’s. Worte fallen wie ‚Ruby‘ und ‚Tawny‘. Es geht um die Sorten des in Portugiesisch »Vinho do Porto« genannten Portweins und um die Schwierigkeiten der Franzosen, den Briten Wein zu liefern…

Doch langsam. Stück für Stück. Gern würden wir dich als Leser mitnehmen auf eine Entdeckungsreise zum Beginn des Weinanbaus und wie er anfing, sich zu spezialisieren. Wir haben Lust, das Besondere am Portwein zu verstehen: Wie wird der Wein gewonnen und transportiert, wie lange gelagert?

Du erfährst auch, welcher Portwein am besten zu welchen Gerichten mundet. Tipps und Adressen für eine kleine Rundreise vor Ort haben wir ebenfalls für dich parat. Hast du Lust, uns zu begleiten?

    Das Unmögliche wagen

    Die Weinhänge des Douro und seiner Nebenflüsse, 80 Kilometer östlich von Porto, erzählen eine Überlebensgeschichte. Archäologen datierten ihre Funde von Traubenkernen im Nordosten Portugals auf die Bronzezeit, in der die Menschen hier nachweislich den ersten Weinanbau betrieben. Zwei Bedingungen zur Kultivierung von Wein fanden die Weinbauern: Sonne und lebensspendendes Wasser. Wein zu pflanzen, an bis zu 70 Grad steilen Schieferhängen, an denen das Wasser abfloss und die Nährstoffe mit sich nahm, war aus der Not geboren. Man konnte hier fast nichts anderes tun, um zu (über-)leben.

    Der Fluss mit seinem auf ‚ouro‘ (Gold) zurückgehenden Namen stellt auch auf spanischer Seite eine Goldader dar. Ribera del Duero heißen die gefragten Spitzenweine unter den spanischen Rotweinen.

    Malerische Weinterrassen und extensiver Anbau

    Der Duero durchfließt ein Schiefermassiv, dort, wo im Norden Portugals sonst nur Granit ist. Das war die Chance der ersten Weinbauern: Aus zertrümmertem Schiefer schufen sich die Anrainer des Flusses im Mittelalter schmale Terrassen, die Patamares. Die ersten Weinreben pflanzten sie zwischen die Pilheiros genannten Mauern. Während der römischen Herrschaft extensivierten sie den Anbau. Der Herzog Heinrich II. von Burgund und spätere König von Frankreich unterhielt ab circa 1016 Verbindungen mit der Douro-Region.

    Persönliche Weinernte und schonendes Stampfen

    Das dem zwischen 1796 und 1810 gegründete Weingut »Quinta da Foz« in Pinhão ist eines der Kellereien, in der die Menschen die Weintrauben auch heute mit den Händen ernten und den Füßen stampfen. Lageres heißen die Steintröge, in denen sie drei Stunden täglich mit kurzen Hosen und rot gefärbten Beinen im Takt treten. Das natürliche Aufbrechen der Kerne hat viele Vorteile: Es ist schonender und der Wein hält länger. Die Farbe des Portweins wird intensiver als mit maschineller Bearbeitung. Auch der Fruchtgeschmack kommt stärker heraus.

    Adresse: Weinkellerei »Quinta da Foz«, Gouvães do Douro, 5085-243 Pinhão, Führung und Weinprobe auf Anfrage

    Transport und Lagerung des kostbaren Gutes

    Mit »Barcos rabelos« heißenden Segelbooten transportierte man zunächst die Weinfässer vom Douro-Tal bis zum Atlantik hinunter. Allein zehn Personen bedienten das große Steuer, die Espadela. Ab dem 13. Jahrhundert kamen die Skipper beim Ansteuern von Porto einer Zollpflicht nach.

    Mit Rabelo-Regatas auf dem Duero promotet man heutzutage den Portwein und Porto als Touristenmagnet. England importiert seit 1318 aus »Oporto«. Diese alte Ortsbezeichnung findet man noch heute auf einigen Portweinflaschen. Tanklastwagen ersetzen den Bootsverkehr.

    Riesige Namensschilder von Sandeman, Taylor’s und Cockburn’s werben in Vila Nova de Gaia mit Führungen in den großen Weinkellereien. In dem südlichen Nachbarort von Porto lagert man seit damals den Portwein bis zu seiner Reifung.

      Die Geschichte der Portwein-Entstehung ist eine britische

      Dem Portwein legte man portugiesische Trauben in die Wiege und eine englische Idee: Die Briten erfuhren zum Ende des 17. Jahrhunderts einen Lieferengpass an französischem Wein. In der Folge griffen sie auf portugiesische Weine zurück. Jedoch: Sie entdeckten, dass die Weine auf ihrer längeren Reise nach England verdarben. Der Zusatz von 77-prozentigem Äthanol (Weingeist) verhinderte diesen Prozess. So entstand der 19- bis 22-prozentige Portwein.

      Einige Quellen datieren den ersten Vintage Port auf das Jahr 1775,
      zwölf Jahre vor dem ersten in Flaschen abgefüllten Bordeauxjahrgang,
      Château-Lafite 1787. (Quelle: taylor.pt)

      1756: Die Portwein-Region wird zur Marke

      Am 10. September 1756 gab der Ministerpräsident Marquês de Pombal seinen Zuspruch zur Gründung der Allgemeinen Winzergesellschaft der Weinregion »Alto Douro« – der Companhia Geral da Agricultura das Vinhas do Alto Douro. Ziel war es, der unkontrollierten Überproduktion und Qualitätskrise durch mit Holunder, Zucker und Pfeffer gepantschte Weine wieder Herr zu werden.

      Das neu geschaffene Kontrollorgan sorgte für die Registrierung und sechsstufige Klassifikation der Portweine, Rot- und Weißweine. Sie legte Kataster für den Export an, für die besten Anbaubereiche am Douro. Die einfachen Weine (Vinhos do Ramo) verkaufte man als Hausweine vor Ort. Hochklassige »Vinhos de Feitoria« durften auf die Boote verbracht worden.

      Die Weine vom Duero erfuhren als Erste, weltweit, eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Sie stammen vom ältesten abgetrennten Weinanbaugebiet der Erde – natürlich begrenzt durch die Ausmaße des Schiefermassivs unter den Terrassen.

      Ein Weinanbaugebiet als Weltkulturerbe

      Die UNESCO bestimmte 24.600 Hektar der Weinregion zwischen Régua und Barca d'Alva 2001 zum Weltkulturerbe. Das einzigartige Gesicht der bis auf 600 Meter hoch reichenden Schiefertreppen prägen auch die Oliven- und Mandelbäume, Orangen, Zitronen, Pfirsiche und Feigen.

      Die bekanntesten Portweine stammen aus dem Gebiet Cima Corgo und der bekannten Weinstadt Pinhão. Der Fokus der Portweinproduktion liegt auf der 17.000 Einwohner zählenden Stadt Peso da Régua. Der frühe Handelsort mit seinem Flusshafen erhielt bereits im 12. Jahrhundert das Stadtrecht.

      Als Tourist auf der Portwein-Route unterwegs

      Heute sind die geografisch identischen Weinregionen DOC Porto (für den Portwein) und DOC Douro (Rotwein) in ein modernes Infrastrukturnetz eingebunden. Für die Besichtigungen des Douro-Museums und die vom Herrenhaus »Solar do Vinho do Porto« organisierten Touren reist man über die A24 an.

      Mit dem Dampfzug zwischen Tua und Regua taucht man ein in die Ursprünglichkeit und Langsamkeit von vor 100 Jahren. Man fragt im Ort nach der »Estação do caminho de ferro: comboio histórico«. Der Bahnhof in Pinhão besitzt interessante Fliesen, die die Arbeit der Winzer zeigen.

      Fußgänger können die schöne Landschaft auf dem »percurso rural« (Ländlichen Rundweg) und die Stadt Régua über den »percurso urbano« (Stadtweg) entdecken.

      Adressen:

      • Museu do Douro, Rua Marquês de Pombal, 5050-282 Peso da Régua
      • Herrenhaus »Solar do Vinho do Porto«, Rua da Ferreirinha 5050-272 Régua

      Welchen Portwein wofür?

      Im Grunde genommen gibt es ‚den Portwein‘ nicht. Die Verkäufer klassifizieren diese unterschiedlichen Portweine:

      • Ruby – die fruchtigen, jungen Roten
      • Tawny – die gereiften Roten
      • Vintage Port – die herausragenden Roten
      • White Port – die milden Weißen
      • Rosé Port – die süßen Rosé

      Mit einem Ruby macht man nichts falsch, wenn man Anfänger ist. Sommeliers empfehlen eine Qualität ab zehn Euro. Der Rubinrote reift in der Flasche. Das lässt seine charakteristische Farbe und sein Aroma nach Johannisbeeren und Kirschen überdauern. Nach dem Öffnen hebt man die Reste nicht auf, da sich nur frisch geöffnet das reiche Bouquet erhält. Zu kräftigem Käse und süßen Nachspeisen passt der Ruby Port hervorragend.

      Tawny Ports reifen im Fass bis zu 40 Jahre. Man genießt sie als Vorspeisen- sowie Dessertwein und reicht sie zu Käse. Die sehr unterschiedlichen Aromen eines Tawny können begeistern durch ihre Nuancen nach Melone, Beeren und Nüssen. Empfehlenswert sind die mahagonifarbenen Tawnys ab einem Alter von 10 Jahren.

      Ein Vintage Port ist wie ein Morgan +8 unter den Automobilen. Stell‘ dir vor, du fährst durch eine Landschaft voller Weinberge. Du sitzt tief im Wagen, trägst diese alte Kappe und die typische Brille seiner Zeit. Der Wind pfeift durch dein Haar. Du entdeckst einen Aussichtspunkt, wo du den Acht-Zylinder-Motor abstellst. Das satte, tiefe Geräusch verstummt. Auf die Motorhaube drapierst du eine weiße Stoffserviette und darauf einen Vintage Port. Er ist ausgezeichnet, als Spitzenwein seines sehr guten Jahrgangs.

      Der 20-prozentige Messias aus dem 1989er Jahrgang ist solch eine Empfehlung. Zwanzig Monate hat ein Vintage Port im Fass verbracht, die restliche, lange Zeitspanne in seiner Flasche. Das Interessante ist: Er verändert seinen Geschmack während des Kostens. Besonders munden Vintage Ports mit starkem Käse und ausdrucksstarken Soßen sowie als verdauungsfördernder Abschluss.

      Late Bottled Vintages reifen länger als Vintage Ports im Fass. Sie sind wie überreife Vintages. In den vier bis sechs Jahren im Fass gelangen sie zu ihrem abgerundeten Geschmack. So vollendet füllen die Kellermeister sie auf die Flaschen. Sie sind deshalb klar beim Öffnen. Bei dieser Qualität kann man sie über einige Wochen schluckweise trinken. Das tun besonders gern die Kanadier und Briten, die fast die Hälfte des Bestandes an Late Bottled Vintages abkaufen.

      White Ports sind weniger süße und alkoholhaltige Weine unter den Portweinen. Mit Salat, Obst und Kuchen harmonieren sie wunderbar.

      Rosé Ports, zwei Jahre im Holzfass gereift, fallen durch ihre Süße und Fruchtigkeit auf. Nach dem Kauf serviert man sie rasch: auf Eis oder als Cocktail, und man bewahrt keine Reste auf.

      Die Gäste in der Weinkellerei haben sich während unseres geschichtlichen Rundgangs für ihre Lieblings-Portweine entschieden. Ob als Aperitif, Likörwein und Essensbegleiter, Digestif oder Cocktail-Zutat, ein Portwein verkörpert die Historie der ersten herkunftsgeschützten Weinregion unseres Globus. Interessiert dich das und möchtest du ihn selbst kosten, so findest du im Anhang weitere interessante Infos. Stößt du mit uns an? Saúde!

        Portwein: Proben & Verkostungen in Porto

        Weitere Adressen:

        • Weinkellerei »Augusto’s«, Rua de França 8/10, 4400-174 Vila Nova de Gaia, Führungen und Weinproben, familiär, englischsprachig, teilweise deutschsprachig, auch Probierfläschchen (tasting packs) zu kaufen
        • Weinkellerei »Taylor’s«, Taylor's Port, Rua do Choupelo nº 250, 4400-088 Vila Nova de Gaia, Audio-Führungen ohne Voranmeldung, individuelle Touren nach Kenntnisstand und Voranmeldung, bedeutende Weinkellerei für Portwein, Lodges über 300 Jahre alt, Restaurant und Terrasse, Workshops, Olivenöl-Verkostung, deutschsprachige Website
        • Eisenbahnbrücke »Ponte Maria Pia«: Avenida de Gustavo Eiffel, Porto 4000-279
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