Einkommen und Gehälter in Portugal

Durchschnittsgehälter in Portugal
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner in Portugal betrug 2024 rund 27.000 Euro pro Person. Zum Vergleich: In Deutschland lag das BIP im gleichen Jahr bei etwa 46.000 Euro. Vor der Wirtschaftskrise 2008 lag der Wert in Portugal noch bei rund 21.200 Euro. Nachdem 2015 der Tiefstwert mit ca. 16.300 Euro erreicht wurde, steigt das BIP je Einwohner seit 2016 wieder kontinuierlich an. Die Corona-Pandemie konnte diese positive Entwicklung nur kurzzeitig bremsen.
Der Brutto-Durchschnittsverdienst in Portugal stieg 2024 gegenüber dem Vorjahr um 6,3 % auf rund 1.602 Euro im Monat – laut dem nationalen Statistikamt INE. In Portugal werden weiterhin 14 Löhne und Gehälter ausgezahlt – 12 Monatsgehälter plus Weihnachtsgeld und Urlaubsbonus. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Vollzeitbeschäftigten lag laut Eurostat 2024 bei 24.818 Euro.
Wichtig zu wissen: Der Durchschnittslohn wird durch sehr hohe Gehälter nach oben gezogen. Aussagekräftiger ist deshalb der Medianlohn – also der Wert, bei dem genau die Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient. In Portugal lag der Medianlohn zuletzt bei etwa 1.100 bis 1.200 Euro brutto im Monat – und damit spürbar unter dem rechnerischen Durchschnitt. Das zeigt, wie groß die Gehaltsspreizung im Land ist.
Im EU-Vergleich befinden sich die Portugiesen damit weiterhin im unteren Mittelfeld. Von den europäischen Ländern lagen 2024 noch neun unter Portugal, darunter Griechenland, Ungarn und die Slowakei. Zum Vergleich: In Deutschland betrug das Durchschnittseinkommen (brutto) 2024 rund 4.100 Euro pro Monat.
Im ersten Quartal 2025 stieg das durchschnittliche Monatsgehalt laut INE um weitere 5,3 % auf 1.525 Euro – eine leichte Verlangsamung gegenüber Ende 2024, aber weiterhin auf Wachstumskurs.
Ein Blick auf die Arbeitskosten zeigt, wie groß der Abstand zu den Nachbarländern noch ist: Eine Arbeitsstunde kostete 2024 inklusive Sozialabgaben laut Eurostat in Portugal 18,20 Euro – verglichen mit 25,50 Euro in Spanien, 43,40 Euro in Deutschland und einem EU-Durchschnitt von 24,70 Euro.
Auch in Portugal gibt es Unterschiede im Verdienst von Männern und Frauen. Der durchschnittliche Lohn von Frauen liegt weiterhin rund ein Fünftel unter dem durchschnittlichen Einkommen der Männer. Dieser Wert hat sich in den letzten Jahren nur langsam verbessert.
Brutto und Netto in Portugal – was bleibt übrig?
Wenn du weißt, was in Portugal brutto verdient wird, stellt sich natürlich schnell die nächste Frage: Was kommt davon netto an? Die Abzüge setzen sich in Portugal aus zwei Komponenten zusammen – der Einkommensteuer (IRS) und den Sozialversicherungsbeiträgen.
Arbeitnehmer zahlen 11 % ihres Bruttogehalts in die Sozialversicherung ein. Der Arbeitgeber trägt zusätzlich rund 23,75 %. Die Einkommensteuer ist progressiv gestaffelt und beginnt bei 13,25 % für niedrige Einkommen – wer mehr verdient, zahlt entsprechend mehr.
Ein konkretes Beispiel: Beim portugiesischen Durchschnittsgehalt von rund 1.602 Euro brutto bleiben nach Sozialabgaben und Einkommensteuer in etwa 1.150 bis 1.250 Euro netto übrig – je nach persönlicher Situation, Wohnort und möglichen Absetzbeträgen. Beim Mindestlohn von 920 Euro brutto liegt das Netto bei etwa 820 bis 840 Euro.
Im Vergleich zu Deutschland ist die Steuerlast im unteren und mittleren Einkommensbereich in Portugal etwas geringer – allerdings sind auch die Sozialleistungen entsprechend niedriger angesetzt.
Regionale Unterschiede
Wie in vielen Ländern gibt es auch in Portugal große regionale Unterschiede bei Löhnen und Gehältern. In Lissabon und Umgebung liegen die Durchschnittslöhne am höchsten. Der Großraum Lissabon gilt als wirtschaftlicher Motor des Landes – und das spiegelt sich auch in den Gehältern wider.
Wer dort in der IT-Branche, im Finanzwesen oder in einem internationalen Unternehmen arbeitet, kann mit 1.900 bis 2.500 Euro brutto pro Monat rechnen – deutlich über dem Landesdurchschnitt. Der durchschnittliche Monatslohn in der Hauptstadtregion liegt insgesamt bei rund 1.800 Euro brutto. Diesen regionalen Spitzengehältern stehen allerdings entsprechend höhere Lebenshaltungskosten gegenüber – vor allem beim Wohnen.
Es folgen Nordportugal und Zentralportugal. Der Alentejo und die Algarve bewegen sich im mittleren Bereich. Im Rest des Festlands liegen die Durchschnittslöhne häufig 200 bis 400 Euro unter dem Lissabonner Niveau.
Gehälter auf Madeira und den Azoren
Madeira und die Azoren werden oft romantisch verklärt – doch wirtschaftlich gesehen hinken beide Inselgruppen dem portugiesischen Festland noch immer deutlich hinterher. Das zeigt sich auch bei den Löhnen.
Auf Madeira liegt das durchschnittliche Monatsgehalt bei rund 1.300 bis 1.400 Euro brutto – etwa 10 bis 15 Prozent unter dem nationalen Schnitt. Der Mindestlohn gilt zwar auch hier, doch die Wirtschaft der Insel ist stark vom saisonalen Tourismus geprägt, was viele Arbeitsverhältnisse unsicher macht. Branchen wie das Gastronomiegewerbe oder die Landwirtschaft zahlen häufig nahe am Mindestlohn.
Wer auf Madeira in Fachberufen oder im öffentlichen Dienst arbeitet, kommt auf ähnliche Gehälter wie auf dem Festland – ist damit aber auf der Insel vergleichsweise gut gestellt. Die Arbeitslosigkeit auf Madeira lag zuletzt bei rund 6 bis 7 % und damit etwas über dem nationalen Durchschnitt.
Auf den Azoren sind die Durchschnittslöhne ähnlich wie auf Madeira, tendenziell sogar etwas niedriger. Die Inseln sind wirtschaftlich stärker von Landwirtschaft und Fischerei geprägt – Branchen, die in Portugal zu den schlechter bezahlten gehören.
Ausgewählte Durchschnittslöhne in Portugal
In der folgenden Liste bekommst du einen Überblick über das monatliche Bruttoeinkommen und die Gehälter bestimmter Berufsgruppen in Portugal für das Jahr 2024:
- Kellner/Servicekraft: 850–950 Euro
- Hotel- und Gaststättengewerbe: 900 Euro
- Landwirtschaft: 970 Euro
- Erzieher/Kindergartenerzieher: 950–1.100 Euro
- Krankenschwester/Krankenpfleger: 1.050–1.200 Euro
- Baugewerbe: 1.100 Euro
- Gesundheitswesen/Sozialarbeit: 1.200 Euro
- Öffentliche Verwaltung: 1.250 Euro
- Bildungswesen: 1.400 Euro
- Transport/Logistik: 1.550 Euro
- Softwareentwickler: 2.100 Euro
- Anwalt: 2.200 Euro
- Finanzwesen/Versicherungen: 2.500 Euro
- Allgemeinarzt: 2.800 Euro
Die höchsten Gehälter zahlen portugiesische Unternehmen laut INE in den Bereichen Energiewirtschaft und Finanzwesen. Führungskräfte verdienten laut den aktuellen Daten gut die Hälfte mehr als der Durchschnittslohn und etwa das Zweieinhalbfache im Vergleich zu Hilfskräften.
Das Hotel- und Gaststättengewerbe zählt weiterhin zu den Branchen mit den niedrigsten Gehältern – hier wird häufig nahe am gesetzlichen Mindestlohn bezahlt.
Berufe im sozialen und erzieherischen Bereich sind in Portugal verbreitet, aber traditionell unterdurchschnittlich bezahlt. Wer als Erzieher oder Pflegekraft aus Deutschland nach Portugal wechselt, muss mit einem deutlichen Gehaltsrückgang rechnen – auch wenn die Lebenshaltungskosten einen Teil davon auffangen.
Aktuelle Jobangebote in Portugal
Customer Support Agents (m/w/d) für Modemarken in Lissabon, Portugal
Kundenberater (m/w/d) für internationale Hotelkette in Lissabon, Portugal
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Mindestlohn in Portugal
In Portugal gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn, den salário mínimo, offiziell retribuição mínima mensal garantida (RMMG). Er beträgt seit Januar 2026 monatlich 920 Euro – was bei 14 Auszahlungen einem Jahreswert von 12.880 Euro entspricht.
Umgerechnet auf 12 Monate sind das rund 1.073 Euro. Auf den Stundenlohn heruntergerechnet ergibt das bei einer regulären 40-Stunden-Woche etwa 6,05 Euro brutto pro Stunde – einer der niedrigsten Stundenlöhne in Westeuropa.
Im Jahr 2025 hatte der Mindestlohn noch 870 Euro betragen – eine Anhebung gegenüber 2024 um 6,1 Prozent. Der Mindestlohn ist in den letzten Jahren stetig gestiegen.
Die Regierung plant, ihn bis 2028 auf 1.020 Euro (bei 12 Auszahlungen) anzuheben. Er existiert seit 1974 und betrug zu Beginn umgerechnet 16,50 Euro im Monat.
Arbeitslosenquote in Portugal
Im November 2025 lag die Arbeitslosenquote in Portugal bei 5,7 % – dem niedrigsten Stand seit über 20 Jahren. Deutlich schlechter sehen allerdings die Zahlen bei den jungen Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 24 Jahren aus. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt weiterhin deutlich über dem Gesamtdurchschnitt.
Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt sich auch in der Beschäftigungszahl: Über 5,2 Millionen Menschen sind mittlerweile in Portugal erwerbstätig. Die gute wirtschaftliche Entwicklung wird vor allem durch die robuste private Nachfrage und steigende Investitionen getragen.
Quellen: Centro de Relações Laborais / Instituto Nacional de Estatística (INE) / Eurostat / Germany Trade & Invest (GTAI)
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