Standseilbahn Guindais in Porto
Funicular dos Guindais

Stell dir vor, du stehst am Ufer der Altstadt Ribeira, blickst hinauf zur Oberstadt Portos und denkst: »Diese steilen Treppen schaffe ich heute nicht mehr.« Dann ist der Funicular dos Guindais genau das Richtige für dich.
Seit über 20 Jahren verbindet die kleine Standseilbahn wieder das historische Flussufer mit dem Batalha-Plateau – und bringt dabei eine bewegte Geschichte mit sich.
In nur drei Minuten überwindest du 61 Höhenmeter auf 281 Metern Streckenlänge. Was wie eine kurze Fahrt klingt, entpuppt sich als eine der praktischsten und panoramareichsten Verbindungen der Stadt. Mehr als 450.000 Fahrgäste nutzen jährlich diese kleine Zeitreise zwischen Portos Unter- und Oberstadt.
Portos Standseilbahn im Überblick
- Funicular dos Guindais verbindet Ribeira mit dem Batalha-Plateau
- In 3 Minuten über 61 Höhenmeter und 281 m Strecke
- Erste Inbetriebnahme 1891, nach Unfall 1893 stillgelegt, Wiedereröffnung 2004 mit moderner Technik
- Beeindruckende Ausblicke auf Douro, Stadtmauer und Gaia
- Fahrpreis: 4 Euro (Rabatt mit Porto.CARD), nur Barzahlung
- Fährt alle 10 Minuten, erweiterter Betrieb zu Festen, Anschluss an Bus, Tram, Metro und Bootstouren
- Beste Besuchszeit: morgens oder abends
Die bewegte Geschichte der Standseilbahn
Die Pionierzeit (1889–1893)
Die Geschichte des Funiculars beginnt 1889, als die »Parceria dos Elevadores do Porto« den Ingenieur Raoul Mesnier du Ponsard mit einem ambitionierten Projekt beauftragte.
Am 4. Juni 1891 war es soweit: Die erste dampfbetriebene Standseilbahn Portos nahm ihren Betrieb auf. Damals war die Strecke noch 412 Meter lang und bewältigte das Gefälle in zwei Stufen mit 49 % und 7 %.
Doch das Glück währte nicht lange. Am 5. Juni 1893 – nur zwei Jahre nach der Eröffnung – ereignete sich ein spektakulärer Unfall. Ein Wagen entgleiste und rutschte fast bis auf Brückenniveau hinab.
Zwar gab es glücklicherweise keine Todesopfer, doch das Vertrauen der Bevölkerung war schwer erschüttert. Die Stadt stellte den Betrieb ein, und wirtschaftliche Schwierigkeiten verhinderten einen raschen Wiederaufbau.
Die langen Jahre der Pause
Was folgte, war eine über hundertjährige Unterbrechung. Die Bergstation diente zeitweise als Atelier des Bildhauers Henrique Moreira und später sogar als Versammlungssaal der Zeugen Jehovas.
Die Natur begann, sich die Trasse zurückzuerobern, während sich Porto ringsum veränderte.
Die Wiedergeburt (2004)
Im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres Porto 2001 beschloss die Stadt ein umfassendes Infrastrukturpaket – und der Funicular sollte wieder Teil davon werden.
Nach geologischen Gutachten und einer kompletten Neutrassierung entlang der mittelalterlichen Fernandina-Mauer wurde der moderne Funicular am 19. Februar 2004 eröffnet – diesmal unter der Regie der Metro do Porto S.A. und mit modernster Technik ausgestattet.


Das Fahrerlebnis: Mehr als nur Transport
Die Route
Du startest an der Talstation an der Avenida Gustavo Eiffel, direkt bei der unteren Ebene der berühmten Ponte Dom Luís I. Die beiden selbstnivellierenden Kabinen fassen jeweils 25 Personen – 15 Sitz- und 10 Stehplätze.
Die Fahrt beginnt auf einem offenen Stahlviadukt, das dir freie Blicke auf die Brücke, das Kloster Serra do Pilar und die Portweinkeller am Gaia-Ufer bietet.
Besonders eindrucksvoll: Die Trasse folgt größtenteils der mittelalterlichen Stadtmauer (Muralha Fernandina), deren Reste archäologisch freigelegt und geschickt in die Stützkonstruktion integriert wurden.
Nach etwa der Hälfte der Strecke verschwindet die Bahn in einem 90 Meter langen Tunnel, in dem sich die Steigung deutlich verringert. Hier zeigt sich die Stärke der Selbstnivellierung – du merkst kaum, dass du auf einer geneigten Strecke unterwegs bist.
Technische Raffinesse im Detail
Wenn dich Technik begeistert: Der moderne Funicular ist ein kleines Meisterwerk der Ingenieurskunst. Die Spurweite von 1.200 mm entspricht der historischen Straßenbahn Portos. Zwei Kabinen mit elektrischem Antrieb und Gegengewichtssystem sorgen für die Bewegung, gesteuert von einem Leitstand in der Bergstation.
Das Sicherheitssystem ist redundant ausgelegt – Sensoren überwachen kontinuierlich Seilvorspannung, Spurbreite und Türverriegelungen. Bei der kleinsten Abweichung wird das System automatisch gestoppt. So soll sich ein Unglück wie das von 1893 nie wiederholen.
Besonders nachhaltig: Der elektrische Antrieb nutzt Rückspeisung. Beim Bremsen des talwärts fahrenden Wagens wird Energie zurückgewonnen und zur Versorgung von Beleuchtung und Leittechnik genutzt.
Praktische Tipps für deinen Besuch
Preise und Tickets
Eine einfache Fahrt kostet 4 Euro (Kinder von 4–12 Jahren zahlen die Hälfte). Falls du eine Porto.CARD besitzt, erhältst du 25 % Rabatt – besonders lohnenswert, wenn du mehrere Attraktionen besuchen möchtest.
Die Automaten an den Stationen akzeptieren allerdings nur Bargeld – also denk daran, passend zu zahlen.
Fahrpläne
Die Betriebszeiten variieren je nach Saison:
- Sommer (April–Oktober): Sonntag bis Donnerstag 8:00–22:00 Uhr, Freitag und Samstag bis Mitternacht
- Winter (November–März): Sonntag bis Donnerstag 8:00–20:00 Uhr, Wochenende bis 22:00 Uhr
Normalerweise fährt alle 10 Minuten eine Kabine, in Stoßzeiten auch häufiger. Zu besonderen Anlässen wie dem Stadtfest von Porto läuft der Betrieb sogar rund um die Uhr.
Foto-Tipps: Für die beste Aussicht steigst du am besten vorn in Fahrtrichtung Ribeira ein – die Kabinenfront ist vollverglast. Morgens hast du klare Sicht auf das Gaia-Ufer, nachmittags kann es durch Gegenlicht schwieriger werden.
Barrierefreiheit: Beide Stationen sind mit Aufzügen ausgestattet. Allerdings führen in der Ribeira steile Kopfsteinpflasterrampen zu den Eingängen – das kann für Rollstuhlfahrer eine Herausforderung darstellen.
Mit Haustieren: Kleine Hunde in Transportboxen dürfen mitfahren – dann besteht keine Maulkorbpflicht.
Beste Besuchszeit: In der Hochsaison musst du mit Wartezeiten von über 30 Minuten rechnen. Ein Start vor 10 Uhr hilft, die Staus zu vermeiden.
Deine Anschlussmöglichkeiten
An der Talstation (Ribeira)
Von hier erreichst du in nur 150 Metern die Buslinien 900, 901 und 906. Am nahegelegenen Cais da Ribeira starten zudem die beliebten Bootstouren auf dem Douro – ideal für einen entspannten Tagesausklang am Wasser.
An der Bergstation (Batalha)
Oben angekommen, bist du in nur zwei Minuten zu Fuß an der Kathedrale Sé do Porto. Die historische Straßenbahnlinie 22 (»Elétrico«) liegt direkt um die Ecke, ebenso verschiedene Buslinien am Teatro São João.
Zum Bahnhof São Bento mit Anschluss an die Metro-Linie D gelangst du in etwa fünf Minuten zu Fuß.
Ein Fazit mit Aussicht
Der Funicular dos Guindais ist weit mehr als nur ein praktisches Verkehrsmittel. Er verbindet nicht nur zwei Stadtteile, sondern auch Vergangenheit und Gegenwart. Seine dramatische Geschichte, moderne Technik und spektakuläre Aussicht machen ihn zu einer der spannendsten Attraktionen Portos.
Für dich als Besucher ist er Zeitersparnis und Erlebnis zugleich – besonders, wenn deine Beine nach einem Tag in den steilen Gassen der Stadt eine Pause brauchen. Der Fahrpreis ist gut investiert – nicht nur wegen der gesparten Energie, sondern auch wegen der einzigartigen Perspektive auf eine der schönsten Städte Europas.
Funicular dos Guindais
Avenida Gustavo Eifel 314
4000-509 Porto
Portugal