Fado – die Klänge der Seele

Fado ist die mit Abstand bekannteste portugiesische Musik. Fado bedeutetet »Schicksal«. Fado ist weder Folklore noch Volksmusik, sondern Ausdruck des Seelenzustands der Portugiesen: der Saudade.
Fado Musik Portugal
Fado-Musik in einem Restaurant in Lissabon ( ale de sun / Shutterstock.com )

Fado – Musik, Geschichte, Künstler

Schwarze Schals, portugiesische Gitarren und ein gefühlvoller Gesichtsausdruck, sp präsentiert sich der Fado, Portugals Musikstil Nummer Eins. Die Musik des Fado ist untrennbar mit der portugiesischen Kultur verbunden und findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

Zu den international bekanntesten Interpreten zählt die Gruppe Madredeus, die ganze Konzertsäle füllt. Vor allem Lissabon und Coimbra gelten als Hochburgen des melodramatischen Musikstils.

Fado zählt seit 2011 zum schützenswerten Weltkulturerbe der UNESCO. Der Begriff Fado leitet sich aus dem Lateinischen »fatum« ab, was soviel wie »Schicksal« bedeutet.

Weltschmerz

Fado ist ein Teil der portugiesischen Volksseele. Die Umgebung prägt das Leben der Menschen und hat Auswirkungen auf die Kunst und die Musik.

Portugal war lange ein armes Land, ein Auswandererland, Portugal ist eng mit dem Meer verbunden und eine Seefahrernation: Immer wieder hieß es Abschied nehmen.

So wundert es nicht, dass die Lieder des Fado von Heimweh handeln, vom Abschied, von unglücklicher Liebe, Trauern um die gute alte Zeit und der Sehnsucht nach einer besseren Zukunft. Die vorherrschende Tonlage des melancholischen Fado ist Moll, sehnsuchtsvoll klagend.

Bekannte portugiesische Fado Künstler

Unumstrittene Königin des Fado ist die »Fadista« Amália Rodrigues, deren ehemaliges Wohnhaus du in Lissabon besichtigen kannst. Die charismatische Sängerin machte den Fado international bekannt. 

Außer ihr gelangten auch Carlos do Carmo und Alfredo Marceneiro zu einigem Ruhm. In neuerer Zeit beleben Künstler wie Mariza, Mísia und Dulce Pontes den Fado.

Sie sorgen dafür, dass der Fado nicht in der Tradition erstarrt oder zum billigen Touristenspektakel verkommt. Dies ist Texten mit Bezug zur Gegenwart zu verdanken und einer an den Zeitgeist angepassten Instrumentalisierung, die der Tradition Rechnung trägt.

Der Klang des Fado

Beim Fado steht der Gesang einer Sängerin oder eines Sängers im Mittelpunkt des Vortrags, begleitet von einer Gitarre und oft zusätzlich einer Bassgitarre. Traditionell werden die Instrumente von Männern gespielt.

Ähnlich wie der Flamenco in Andalusien, ist die Musik des Fado fest in der Bevölkerung verankert und wird aktiv gelebt. So kann es passieren, dass in authentischen Fadolokalen die Gäste Strophen improvisieren und vorsingen und ihrem Weltschmerz, begleitet vom Applaus des Publikums, lautstark Ausdruck geben.

Geschichte des Fado

Zuerst erklingt der Fado in den Armenvierteln von Lissabon in anrüchigen Kneipen in den Stadtteilen Mouraria, Alfama und im Bairro Alto.

Wahrscheinlich geht er zurück auf die Gesänge portugiesischer Seeleute, beeinflusst von brasilianischen Einflüssen. Erst im 19. Jahrhundert wird der Fado gesellschaftsfähig und findet Eingang in die Salons der Gesellschaft.

Eine Besonderheit ist der Fado de Coimbra: Hier ist der Fado Bestandteil der studentischen Tradition und erzählt vom Studentenleben und unerfüllter Liebe. In Coimbra wird der Fado außerdem traditionell von Männern in den Straßen der Stadt vorgetragen.

Fado heute

Heute triffst du den Fado in vielen Spielarten. Eine Fusion des Fado mit dem Jazz gelingt der Künstlerin Maria de Fátima und auch die Pop-Sänger Nelly Furtado, Sina Nossa und Trio Fado verwenden Fado-Elemente in ihren Liedern. DJs und Bands wie Deolinda oder A Naifa runden das Spektrum des Fado weiter ab. Der spanische Regisseur Carlos Saura setzt dem Fado im gleichnamigen Film ein Denkmal.

Heute kannst du den Fado in Portugal auf zwei Arten erleben: Zum einen als Fado Vadio in einer Taverne, Bar oder einem Fadohaus vor allem in Lissabon und Porto. Oder als Konzert mit einem festen Programm im Konzertsaal. Dabei treten nur Weltstars wie Carmino oder Mariza in den ganz großen Hallen auf.

Zu den besten Fadolokalen in Lissabon zählen das A Severa, A Baîuca, Parreirinha de Alfama und das Café Luso aus dem Jahr 1927, in dem schon Amália Rodrigues sang. In Porto ist die Taberna Real do Fado eine gute Wahl, das Casa da Mariquinhas oder das Café Guarany.

Museu do Fado

Einen guten Überblick über die Geschichte des Fado bietet das Fado Museum in der Alfama in Lissabon. Es war maßgeblich an der Nominierung des Fado als Weltkulturerbe beteiligt und wurde von Carlos do Carmo und António Chainho initiiert.

Das Fado-Museum beherbergt ein Dokumentationszentrum, ein Auditorium und Kursräume, in denen beispielsweise Kurse für Portugiesische Gitarre stattfinden. Die Sammlung zeigen Instrumente, Noten, Plakate, Kleider, Schallplatten und Zeitungen. Nach dem Kunstgenuss kannst du im dazugehörigen Restaurant leckere portugiesische Gerichte und Getränke genießen.

Fado in einem typischen Lokal in Portugal zu erleben ist ein Erlebnis und eine Bereicherung für jeden Portugalurlaub. Besonders, wenn du das Glück hast, den Fado live in einer Bar zu erleben, in der auch viele Einheimische verkehren. Dort tauchst du tief ein in den Saudade und kannst erleben, wie es ist, wenn der Fado dein Herz ergreift.

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