Portugiesen in Deutschland: Zahlen, Städte & Gemeinden

Wie viele Portugiesen leben in Deutschland?
Im Jahr 2024 lebten rund 140.185 portugiesische Staatsangehörige in Deutschland – das sind die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Damit ist die Zahl im Vergleich zum Höchststand von 2017 (damals waren es 146.810) leicht gesunken, bewegt sich aber seit Jahren auf einem stabilen Niveau.
Zum Vergleich: 2011 waren es noch rund 111.500 Portugiesen in Deutschland, 2015 dann 133.929. Der deutliche Anstieg in den 2010er-Jahren hatte vor allem mit der Wirtschaftskrise in Portugal zu tun, die viele junge, gut ausgebildete Portugiesen nach Deutschland trieb. Waren es in den 1960er-Jahren vorwiegend Handwerker und ungelernte Arbeiter, die als Gastarbeiter kamen, sind es heute häufig Akademiker, Ingenieure und IT-Spezialisten.
Wichtig: Diese Zahlen erfassen nur Personen mit portugiesischer Staatsangehörigkeit. Die tatsächliche Zahl der Menschen mit portugiesischen Wurzeln in Deutschland dürfte deutlich höher liegen, weil viele inzwischen eingebürgert sind oder die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen.
Wo leben die meisten Portugiesen in Deutschland?
Die portugiesische Bevölkerung verteilt sich keineswegs gleichmäßig über Deutschland. Es gibt klare Schwerpunkte, die historisch gewachsen sind.
Die Top-Städte
Jahrzehntelang war Hamburg die Stadt mit der größten portugiesischen Gemeinde in Deutschland. Dann überholte Berlin zwischen 2016 und 2017 die Hansestadt, als die Hauptstadt vor allem junge Akademiker und Kreative aus Portugal anzog. Die Zahlen von 2017 zeigten Berlin mit 14.905 portugiesischen Einwohnern an der Spitze.
Doch das Blatt hat sich erneut gewendet: Seit 2021 ist Hamburg wieder die Nummer eins. Berlin hat zwischen 2017 und 2021 über die Hälfte seiner portugiesischen Einwohner verloren. Die Städte mit den größten portugiesischen Gemeinden sind aktuell (Daten von 2021):
- Hamburg: 9.070 Personen (6,5 % der Portugiesen in Deutschland)
- Berlin
- Frankfurt am Main: 7.520 Personen
- Stuttgart: 7.410 Personen
- Köln: 6.890 Personen
- München: 5.670 Personen
Die wichtigsten Bundesländer
Auf Ebene der Bundesländer führt Nordrhein-Westfalen (NRW) mit großem Abstand: Rund 27,2 % aller Portugiesen in Deutschland leben hier. Die Schwerpunkte liegen in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Hagen und in ländlicheren Gegenden wie dem Sauerland, dem Münsterland und Ostwestfalen. Auf Platz zwei folgt Baden-Württemberg mit 20,8 %, danach Hessen mit 11,0 %.
Am wenigsten Portugiesen leben in den östlichen Bundesländern: In Thüringen und Brandenburg machen sie jeweils nur 0,4 % der portugiesischen Gemeinde in Deutschland aus, in Mecklenburg-Vorpommern sogar nur 0,2 %.
»Klein-Portugal« in Hessen: Groß-Umstadt im Odenwald
Wenn du portugiesisches Flair in Deutschland erleben willst, ohne ins Flugzeug zu steigen, dann solltest du Groß-Umstadt kennen. Das hessische Städtchen im Odenwald, rund 50 Kilometer südöstlich von Frankfurt, trägt den liebevollen Spitznamen »Klein-Portugal« – und das aus gutem Grund.
Die Geschichte beginnt in den frühen 1960er-Jahren, als ein junger Portugiese namens Antonio Carneiro mit seinem Motorrad durch Deutschland fuhr. Ausgerechnet in Groß-Umstadt gab der Motor den Geist auf. Carneiro fand Arbeit in einer örtlichen Fabrik, war begeistert von seinem ersten Lohn – und holte Freunde und Verwandte nach. In den folgenden Jahren wuchs die Gemeinde rasant: Von den damals rund 12.000 Einwohnern stammten zeitweise über 2.000 aus Portugal.
Heute besteht die Bevölkerung zu etwa acht Prozent aus Menschen mit portugiesischen Wurzeln. Es gibt portugiesische Geschäfte, Restaurants und den 1969 gegründeten Kulturverein Clube Operário Português – einen der größten portugiesischen Clubs in ganz Deutschland.
Die Partnerstadt Santo Tirso in der Nähe von Porto ist seit 1988 mit Groß-Umstadt verschwistert, und beim jährlichen Johannisfest im Juni verwandelt sich der historische Marktplatz in eine mediterrane Festmeile mit Bacalhau, Pastéis de Nata und Portwein.
Das Portugiesenviertel in Hamburg
Wenn NRW die meisten Portugiesen nach Bundesland hat und Hamburg die Stadt mit der größten Gemeinde ist, dann ist das Portugiesenviertel in der Hamburger Neustadt das kulinarische Herz der portugiesischen Kultur in Deutschland. Das Viertel liegt zwischen den Landungsbrücken und dem Michel, direkt am Hafen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren kamen viele portugiesische Gastarbeiter nach Hamburg und fanden Arbeit im nahen Hafen. Die Neustadt war damals günstig, praktisch gelegen – und die ersten brachten ihre Küche mit. Heute reihen sich rund 40 Restaurants, Cafés und Bars aneinander, hauptsächlich entlang der Ditmar-Koel-Straße. Im Sommer sitzt man draußen bei gegrilltem Fisch, Pastéis de Nata und einem Galão und fühlt sich fast wie in Lissabon – nur mit Blick auf die Elbe statt auf den Tejo.
Übrigens: Die Geschichte der Portugiesen in Hamburg reicht sogar bis ins 16. Jahrhundert zurück, als sephardische Juden vor der Inquisition aus Portugal flohen und sich in der Hansestadt niederließen. Das Viertel selbst erhielt seinen Namen aber erst in den 1960er-Jahren durch die Gastarbeiter.
Wie kamen die Portugiesen nach Deutschland? Eine kurze Geschichte
Am 17. März 1964 unterzeichneten Deutschland und Portugal das offizielle Anwerbeabkommen. In den folgenden Jahren kamen zehntausende Portugiesen als Gastarbeiter, vor allem in die Industrie- und Hafenstädte. Sie arbeiteten auf dem Bau, in Fabriken und in den Häfen.
Ein besonderer Moment in dieser Geschichte: Der Portugiese Armando Rodrigues de Sá wurde 1964 offiziell als der einmillionste »Gastarbeiter« in Deutschland begrüßt und bekam dafür ein Moped geschenkt – ein Bild, das bis heute symbolisch für die Arbeitsmigration der 1960er-Jahre steht.
Nach der Nelkenrevolution 1974 und Portugals EU-Beitritt 1986 erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung, und die Auswanderung ging zurück. Mit der Finanzkrise ab 2007/2008 kehrte sich der Trend dann wieder um: Diesmal kamen vor allem junge Akademiker und Fachkräfte nach Deutschland – und insbesondere nach Berlin, das zeitweise sogar Hamburg als Stadt mit der größten portugiesischen Gemeinde überholte.
Portugiesen in Deutschland gelten als gut integriert und, wie es in Studien heißt, als »allgemein unauffällig« – was als Kompliment gemeint ist. Die Gemeinschaft bringt sich kulturell ein, ohne dabei großes Aufsehen zu erregen.
Wie viele Portugiesen gibt es auf der Welt?
Portugal war über Jahrhunderte ein Auswanderungsland, und das zeigt sich bis heute in den Zahlen: Mehr als 20 % der Portugiesen leben im Ausland. Die portugiesische Diaspora erstreckt sich über mehr als 80 Länder weltweit.
In der EU leben rund 990.000 portugiesische Staatsangehörige (Stand 2023). Die wichtigsten Zielländer innerhalb Europas:
- Frankreich: rund 549.000 (mit Abstand die größte Gemeinde, über eine Million Menschen mit portugiesischen Wurzeln)
- Deutschland: rund 140.000
- Schweiz: rund 160.000
- Luxemburg: rund 90.000 (damit stellen Portugiesen etwa 13 % der Gesamtbevölkerung – die größte Ausländergruppe im Land)
- Spanien: rund 141.000
- Vereinigtes Königreich: rund 500.000 (inkl. Portugiesischstämmige)
Außerhalb Europas sind vor allem Brasilien (mit Millionen von Nachkommen portugiesischer Einwanderer), die USA, Kanada, Venezuela und die ehemaligen Kolonien in Afrika bedeutende Ziele der portugiesischen Diaspora.
Und umgekehrt? Wo leben die meisten Deutschen in Portugal?
Die Verbindung geht in beide Richtungen: Rund 16.000 Deutsche sind offiziell in Portugal gemeldet. Mit der Dunkelziffer – Dauertouristen, digitale Nomaden und nicht gemeldete Residenten – dürften es deutlich mehr sein, Schätzungen gehen von bis zu 30.000 aus.
Die beliebtesten Regionen für deutsche Auswanderer in Portugal:
- Algarve: Die mit Abstand beliebteste Region, insbesondere rund um Faro, Lagos und Portimão. Mildes Klima, Golfplätze und eine gut ausgebaute Expat-Infrastruktur machen den Süden zum Favoriten.
- Lissabon: Attraktiv für Berufstätige, Familien (es gibt deutsche Schulen) und digitale Nomaden.
- Madeira: Besonders bei Ruheständlern beliebt, dank des ganzjährig milden Klimas.
- Porto und Umgebung: Zunehmend interessant wegen günstigerer Immobilienpreise.
- Alentejo: Für Naturliebhaber und Ruhesuchende, zunehmend beliebter.
Mehr dazu im ausführlichen Artikel zum Auswandern nach Portugal.
Portugiesische Kultur in Deutschland erleben
In vielen deutschen Städten gibt es portugiesische Kulturvereine, portugiesischsprachige Kirchengemeinden und sogar muttersprachlichen Unterricht an Regelschulen. Wer die portugiesische Kultur in Deutschland erleben möchte, hat einige Anlaufpunkte:
- Portugiesenviertel in Hamburg: Rund 40 Restaurants und Cafés mit portugiesischer und spanischer Küche, direkt an den Landungsbrücken.
- Groß-Umstadt in Hessen: »Klein-Portugal« im Odenwald mit dem Clube Operário Português und dem jährlichen Johannisfest.
- Portugiesische Veranstaltungen in NRW: In Städten wie Köln, Düsseldorf und Dortmund gibt es regelmäßig portugiesische Feste und Events.
- Casa de Portugal: Kulturelle Zentren, die es in mehreren deutschen Städten gibt (unter anderem in Frankfurt), organisieren Musik- und Tanzabende, Filmvorführungen und weitere Veranstaltungen.
Und natürlich darf der Fado nicht fehlen – die Seele Portugals in Musikform. In einigen Restaurants und Kulturvereinen kannst du auch in Deutschland Live-Auftritte erleben. Wer das Original hören möchte, findet im Fado-Guide alles Wissenswerte über die Musik, die die UNESCO 2011 zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Gut zu wissen: Portugal und Deutschland im Vergleich
Immer wieder tauchen Fragen auf, wie sich Portugal und Deutschland eigentlich unterscheiden. Hier ein paar Fakten:
- Fläche: Portugal ist mit rund 92.000 km² etwa so groß wie Bayern (70.500 km²) und etwas kleiner als die ehemalige DDR. Deutschland ist mit 357.000 km² knapp viermal so groß.
- Einwohner: Portugal hat rund 10,4 Millionen Einwohner (Stand 2026). Deutschland kommt auf 83,5 Millionen.
- Verwaltung: Portugal hat keine Bundesländer im deutschen Sinne. Das Land ist in 18 Distrikte und zwei autonome Regionen (Azoren und Madeira) gegliedert.
Fazit
Die portugiesische Gemeinschaft in Deutschland ist eine der am besten integrierten Einwanderungsgruppen des Landes – und gleichzeitig eine der lebendigsten, wenn es um die Pflege der eigenen Kultur geht. Ob beim Galão im Hamburger Portugiesenviertel, beim Johannisfest in Groß-Umstadt oder beim Fado-Abend in einem Kulturverein: Die Verbindung zwischen Deutschland und Portugal ist weit mehr als eine Statistik.
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