Stadtteil Benfica in Lissabon: Mehr als nur Fußball

Wenn die Worte »Benfica« und »Lissabon« fallen, liegt die Assoziation mit dem erfolgreichsten Fußballverein Portugals nahe. Dabei lohnt sich der Ausflug in den Stadtteil aus sehr viel mehr Gründen als dem Spitzenfußball – auch wenn der hier eine zentrale Rolle spielt.
Stadtteil Benfica Lissabon
Blick auf Benfica von Monsanto ( dudlajzov / Adobe Stock.com )

Benfica, Heimat der »Os Encarnados«

Die »Scharlachroten«, so werden die Spieler von Sport Lisboa e Benfica wegen der Vereinsfarben gerufen und passend dazu erstrahlt ihre Spielstädte in ebenso kräftigem Rot. Das Estádio da Luz ist kaum zu übersehen, es prägt das Bild des Stadtteils, der am westlichen Rand von Lissabon liegt.

Das entspricht seiner Rolle, denn mit SLB – oder kurz: Benfica Lissabon – beheimatet das Stadion einen rekordverdächtigen Club. Rekordsieger in der portugiesischen Liga und den Pokalwettbewerben, einer der mitgliederstärksten Vereine der Welt und zweimaliger Gewinner des Europapokals der Landesmeister, lange bevor dieser zur heutigen Champions League umgewandelt wurde, damals mit dem legendären Eusébio.

Am Estádio da Luz ist seine Geschichte und die des Vereins greifbar, obwohl das Stadion nicht mehr das von damals ist (ein neues wurde für die Fußball-EM 2004 direkt neben dem alten errichtet). Wer es nicht zu einem der Spiele schafft, kann sich von der Bedeutung des 1904 gegründeten Clubs bei Touren durch das Stadion oder das dazugehörige Museum überzeugen. Benfica ist Fußball – aber eben auch sehr viel mehr.

Entdeckungstour rund ums Stadion des Lichts

Der Eindruck aus der Ferne, den Benfica mit seinen Hochhäusern und dem markanten Stadion auf den Betrachter macht, ist wenig spektakulär. Seine Highlights gibt der Stadtteil mit dem größten Grünanteil Lissabons nicht so leicht preis, Benfica will entdeckt werden.

Dabei ist das Estádio da Luz kein schlechter Startpunkt, denn im Umkreis von 10 Kilometern gibt es viele lohnenswerte Ziele für eine ausgiebige Entdeckungstour. Vom Shoppingerlebnis bis zur Naturerfahrung ist hier alles möglich.

Benfica Lissabon Stadion
Das Estádio da Luz, Spielstätte der »Scharlachroten« ( Anton_Ivanov / Shutterstock.com )

Vielfältige Fauna in Benfica

Keine zwei Kilometer vom Benfica-Stadion entfernt wartet eine weitere Attraktion für Familien: der Jardim Zoológico de Lisboa, Lissabons Zoo. Der ist über die blaue U-Bahnlinie gut zu erreichen, denn er ist direkt an die gleichnamige Haltestelle angebunden.

Der zoologische Garten von Lissabon ist nicht nur einer der größten des Landes, sondern auch einer der ältesten überhaupt. Seit 1883 empfängt er Besucher, die hier mehr als 300 verschiedene Tierarten beobachten können – am besten aus der Seilbahn, die quer über das gesamte Gelände führt und einen perfekten Überblick bietet.

Benfica ist grün

Obwohl die Fußballer von Benfica Lissabon traditionell in roten Trikots auflaufen, passt das nur bedingt zu dem Stadtteil, in dem sie spielen. Denn der ist ausgesprochen grün, auf den 8 Quadratmetern Fläche erstreckt sich zwei Drittel der Grünflächen der Stadt.

Grund hierfür ist der Waldpark Monsanto, der Parque Florestal de Monsanto, der sich südlich des Autobahnrings über rund 800 Hektar ausbreitet. Dabei war das Hügelgebiet der Serra de Monsanto keineswegs immer so grün, es wurde im Gegenteil lange Zeit für intensive Landwirtschaft genutzt.

Waldpark Monsanto Lissabon
Naherholung im Waldpark Monsanto ( Adobe Stock © Luis )

Seit den 1930er Jahren begann die Stadt aber mit einer intensiven Aufforstung und schuf so ein weitreichendes und abwechslungsreiches Naherholungsgebiet. Das besticht nicht nur durch die weitläufige Bewaldung, sondern bietet außerdem vielerlei Möglichkeiten für Sport und Zerstreuung. Familien mit Kindern finden neben Picknickplätzen vor allem auf den verschiedenen Spielplätzen viele Gelegenheiten für schöne gemeinsame Urlaubsstunden.

Die kleineren – und größeren – Parkanlagen von Benfica

Daneben finden sich kleinere Parks in der Umgebung des Stadions. Der Parque Bensaúde liegt dabei genau genommen schon in der Gemeinde São Domingos de Benfica, die Ende der 1950er Jahre durch eine Teilung des stark gewachsenen Benficas entstanden ist. De Park gehört zu einem alten Bauernhaus – einer der Quintas, die hier so typisch sind – und bietet ebenfalls Abwechslung für Groß und Klein. Besucher mit Hunden haben hier die Möglichkeit, ihren Vierbeinern im Hundepark ausreichend Auslauf zu geben.

Einen ähnlichen Ursprung und ein ähnliches Programm kann der Parque Silva Porto, der allgemeinhin als Mata de Benfica bekannt ist. Ursprünglich gehörte er zum Anwesen des Palácio da Feteira, seit 1911 ist er ein öffentlicher Park. Besonderes Highlight ist der kleine Pagodenähnliche Kiosk, der mit herrlichen Schmuckfliesen versehen ist.

Deutlich jünger, dafür aber mit einem nationalen Preis für Landschaftsarchitektur ausgezeichnet, lockt der Parque Urbano da Quinta da Granja. Weniger aus touristischen Gründen, denn viele der Parks von Lissabon im Allgemeinen und Benfica im Besonderen sind deutlich sehenswerter.

Trotzdem bietet die Quinta da Granja einen angenehmen Ort zum Erholen im Grünen – vor allem für all diejenigen, die sich vorher bei einer ausgedehnten Shopping-Tour im Centro Comercial Colombo verausgabt haben und jetzt dringend ein wenig Ruhe und Entspannung suchen.

Parkempfehlungen in den angrenzenden Stadtteilen

Wer Parkatmosphäre und eine wunderbare Aussicht über Lissabon genießen möchte, macht am besten einen kurzen oder längeren Abstecher in den Stadtteil Avenidas Novas. Etwas mehr als 3 Kilometer vom Stadion entfernt liegt dort der Parque Eduardo VII de Inglaterra, der nicht nur der größte Park dieser Form in der Stadt ist, sondern vor allem mit einem hervorragenden Blick über diese beeindrucken kann.

Jardim Gulbenkian Lissabon
Kultur und Natur perfekt verbunden im Jardim Gulbenkian ( Adobe Stock © StockPhotoArt )

Ein weiterer Tipp für Freunde wunderschöner Parkanlagen: Der Jardim Gulbenkian, der zum gleichnamigen Museum gehört. Prinzipiell ist die dort untergebrachte Kunstsammlung die eigentliche Attraktion, aber es lassen sich genügend Gründe finden, um nach dem Kulturprogramm noch etwas Natur zu genießen.

Wobei der Park überhaupt eine gelungene Verbindung der vermeintlichen Gegensätze darstellt, weil sich das Museum, der Konzertsaal, das Freiluftamphitheater und die Bibliothek perfekt in die abwechslungsreiche Parklandschaft fügen.

Historische Entdeckungstour

Dass Benfica einst eine bevorzugte Adresse für die wohlhabenderen Portugiesen war, lässt sich heute immer noch erkennen. Die Quinta da Granja zeugt ebenso davon wie der Parque Bensáude: Überall im Stadtteil finden sich noch die Stadtpaläste und Herrenhäuser aus früheren Zeiten. Während manche noch aus dem 18. Jahrhundert stammen, sind wieder andere jüngeren Datums.

In diese Kategorie fällt beispielsweise der Palácio Baldaya, der direkt an der Estrada de Benfica gelegen ist. Der Stadtpalast stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde in den vergangenen Jahren einem neuen Zweck zugeführt. Statt feudalem Prunk – der nur noch äußerlich an den Architekturelementen der Fassade erkennbar ist – fungiert der Palácio Baldaya inzwischen als eine Art Begegnungsort für die Gemeinde.

Sehenswert ist der Palast aber allemal, zumal das Gebäude vollständig restauriert wurde und ebenfalls über einen wundervollen Garten verfügt. Wer die volle Pracht der Lissaboner Stadtpaläste erleben möchte, sollte unbedingt den Palácio dos Marqueses de Fronteira besuchen. Dieser liegt unweit des Zoos und grenzt direkt an den Waldpark Monsanto.

Palácio dos Marqueses de Fronteira
Palast-Highlight in Lissabon: Der Palácio dos Marqueses de Fronteira ( yurykozyrev / Adobe Stock.com )

Entstanden ist er bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts, in Anlehnung an die italienische Renaissance-Architektur. Die lässt sich auch heute noch in unveränderter Form erkennen. Während große Teile der Stadt durch das Erdbeben von 1755 zerstört wurden, blieb der Adelssitz unberührt von der Katastrophe.

Typisch ist auch immer noch der streng geometrische Garten, der in vier Teile gegliedert ist. Besonders beeindruckend ist aber die Gestaltung der Außenanlagen mit einer Vielzahl der so typischen Azulejos. Die bemalten Kacheln stammen allerdings nicht nur aus Portugal, sondern wurden außerdem aus den Niederlanden und Spanien herbeigeschafft.

Sie machen die Fassade zu einem reichhaltigen Gesamtkunstwerk, das nahezu die gesamte Themenpalette der damaligen Zeit abdeckt. Die teils mythologischen und allegorischen Darstellungen mögen sich dem heutigen Betrachter vielleicht nicht mehr gänzlich erschließen. Beeindruckend sind sie aber noch immer.

Da nach wie vor Nachfahren der Familie Mascarenhas den Palast bewohnen, müssen Besucher üblicherweise mit der Außenansicht vorliebnehmen. Zu einem Ausflug nach Benfica sollte ein Zwischenstopp hier aber auf jeden Fall gehören.

Zum Abschluss: Fußball

Im August 2020 dürften die kulturellen, architektonischen und landschaftsgärtnerischen Highlights von Benfica für die meisten Besucher aber in den Hintergrund rücken. Ab dem 12. August beherbergt das Estádio da Luz die Endrunde der Champions League-Saison 2020, die in diesem Jahr in Turnierform ausgetragen wird.

Zuletzt wurde 2013/14 ein Champions League-Finale hier ausgetragen, eine Beteiligung von Benfica Lissabon liegt sogar noch weiter zurück. Bei allen Rekorden, die der Verein national hält – im internationalen Vergleich konnten es die Águias, die Adler, seit dem letzten Titel von 1962 zu keiner weiteren Trophäe in Champions League oder Europa League schaffen. Ein Highlight bleibt der Fußball hier trotzdem – und ansonsten gibt es noch so viel mehr.

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